von m.tenhagen

Lithium-Microdosing: Was die aktuelle Forschung zeigt

Kleine Dosen – große Hoffnung?

Lithium ist vor allem als psychiatrisches Medikament bekannt. Doch in den letzten Jahren zeigt sich: Auch in sehr niedrigen Dosen könnte dieses Spurenelement eine Rolle für Gehirngesundheit und Langlebigkeit spielen. Wir erklären, was die aktuelle Forschung über Lithium-Microdosing wirklich aussagt.

Was ist Lithium-Microdosing?

Unter Microdosing versteht man die regelmäßige Gabe von sehr kleinen Lithium-Mengen – typischerweise 0,3 bis 5 mg pro Tag. Dies unterscheidet sich deutlich von den therapeutischen Dosen in der Psychiatrie (900–1200 mg/Tag). Lithium kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor und findet sich in unterschiedlichen Konzentrationen auch im Trinkwasser.

Die bisherige Forschungslage

Studienergebnisse zu Demenz und Kognition:

Bevölkerungsstudien deuten darauf hin, dass Regionen mit höherem natürlichem Lithium im Trinkwasser niedrigere Demenzraten aufweisen. Eine kleine brasilianische Studie (2013) zeigte, dass 300 µg Lithium täglich über 15 Monate den kognitiven Abbau bei Alzheimer-Patienten verlangsamen könnte. Eine aktuelle Harvard-Forschung (Nature 2025) fand erstmals, dass Lithium im menschlichen Gehirn vorkommt – bei Alzheimer-Patienten aber in geringerer Konzentration. Im Tiermodell konnte niedrig dosiertes Lithium altersbedingte Gedächtnisprobleme teilweise reduzieren.

Stimmung und psychische Gesundheit:

Epidemiologische Daten zeigen eine Korrelation zwischen höherem Lithium im Trinkwasser und niedrigeren Suizidquoten. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass Lithium bei depressiven Störungen als Ergänzungstherapie hilfreich sein könnte – die Datenlage ist hier aber noch heterogen.

Einfluss auf die Lebensdauer:

Erste Hinweise aus Naturstoffmodellen und einer deutschen Bevölkerungsstudie legten nahe, dass moderates Lithium mit längerer Lebensdauer assoziiert sein könnte. Allerdings handelt es sich um vorläufige Befunde.

Wichtige Einschränkungen:

Ehrlich gesagt: Die meisten positiven Befunde stammen aus ökologischen Studien (Vergleich von Regionen), nicht aus randomisierten Kontrollstudien. Das bedeutet, dass Ursache und Wirkung nicht eindeutig geklärt sind – viele andere Faktoren könnten eine Rolle spielen. Die einzige kleine randomisiert kontrollierte Studie zu Microdosing bei Alzheimer ist methodisch begrenzt. Langzeitstudien mit ausreichender Fallzahl fehlen. Es lässt sich daher heute noch nicht sagen, ob Lithium-Microdosing in der Prävention tatsächlich wirksam ist.

Was bedeutet das für die Praxis?

Aktuelle Empfehlung:

Ein routinemäßiges Lithium-Microdosing kann auf Basis der bisherigen Evidenz nicht allgemein empfohlen werden. Die Forschung ist vielversprechend, aber noch nicht ausgereift. Hinzu kommt, dass die Herstellung lithiumhaltiger Nahrungsergänzungsmittel aktuell in der EU verboten ist.

Nächste Schritte:

Wir erwarten in den kommenden Jahren größere, gut kontrollierte Studien. Bis dahin bleibt Lithium-Microdosing ein spannendes Forschungsfeld – kein etabliertes therapeutisches Verfahren.

Fazit:

Lithium-Microdosing ist kein Wundermittel – aber auch kein bloßer Hype. Die biologischen Mechanismen sind plausibel, erste Hinweise ermunternd. Wir beobachten diese Entwicklung aufmerksam und werden Sie auf den neuesten Stand bringen, sobald aussagekräftige Studien vorliegen.

Haben Sie Fragen zum Thema? Gerne besprechen wir dies in der Sprechstunde.